Donnerstag, 10. August 2017

Bemerknisse zu Bangkok

  1. Bürgersteige in Bangkok sind zum Gehen nur eingeschränkt geeignet. Sind sie breit, stehen auf dem unebenen Boden Strommasten, Stützpfeiler der allgegenwärtigen Fußgängerüberführungen und Trafohäuschen herum. Werbeplakate, Streetfood-Anbieter mit ihren Wagen, Bordsteinschwalben und mobile Uhrenverkäufer schränken den verfügbaren Platz weiter ein und zwingen zum Slalomlauf.
  2. Sind die Bürgersteige schmal, kann man immer noch ein Moped darauf parken. 
  3. Sehr präsent im Straßenbild sind die vielen händchenhaltenden Paare aus europäischem Mann und thailändischer Frau mit auffällig großem Altersunterschied.
  4. Im chaotischen Straßenverkehr und ständigen Stau wird wenig gehupt. Man sieht Frauen und Männer und Ladyboys von äußerst knapp bekleidet bis voll verschleiert.
  5. Nach diversen Anschlägen in den letzten Jahren gibt es Sicherheitskontrollen an den Eingängen zu U-Bahn-Stationen und Einkaufszentren. Diese sind jedoch mehr Beruhigungskosmetik und Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Ein Mensch mit Stablampe leuchtet kurz in Tasche oder Rucksack, fertig. Dieser Mensch bekommt den Mindestlohn, der in Bangkok bei umgerechnet 7,50 EUR pro Tag (!) liegt.
  6. Wenn ein Thai von Pinguinen spricht, meint er weder die Vögel noch katholische Nonnen. Sondern die mit schwarzem Umhang verschleierten Araberinnen, die nach Einbruch der Dunkelheit die Stadt und die Einkaufszentren bevölkern.

Freitag, 28. Juli 2017

Über Höflichkeit

Der Leiter unserer hiesigen Niederlassung, ein Brite, der seit fast 20 Jahren in Asien lebt, war gerade zwei Wochen auf Heimaturlaub, kam zurück und sagte als erstes, die Leute in England seien so mürrisch, er sei froh, wieder hier zu sein.
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Das fällt in Singapur sehr schnell auf: die Freundlichkeit und Höflichkeit der Leute. Bei aller Geschäftigkeit, und in Singapur wird wirklich nicht wenig gearbeitet, nimmt man sich die Zeit, der Kundschaft mit mehr als professioneller Höflichkeit zu begegnen.
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Es ist ein wahres Entschleunigungsprogramm.
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Visitenkarten werden mit beiden Händen überreicht, aus Respekt vor dem Gegenüber. Eine erhaltene Visitenkarte steckt man nicht achtlos ein, sondern legt sie sorgfältig vor sich auf den Tisch.
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Auch Geldscheine, Quittungen, Kinokarten werden mit beiden Händen überreicht, gerne noch zusätzlich mit einer angedeuteten Verbeugung. Ist die Verwendung beider Hände nicht möglich, weil man z.B. noch etwas in der anderen Hand hält, übergibt man den Gegenstand mit der rechten Hand und legt dabei die linke auf den rechten Unterarm, um die Beidhändigkeit anzudeuten. Am Anfang erscheint das umständlich, aber inzwischen bin ich sechs Wochen hier und mache das völlig selbstverständlich.
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Security-Personal erklärt ungefragt und geduldig, warum an der U-Bahn eine Absperrung steht und man heute einen kleinen Umweg laufen muss. Die Putzfrau im Büro strahlt jeden Morgen fröhlich alle an, wenn sie die Papierkörbe einsammelt. Die Kellnerin beim Stamm-Chinesen lächelt schon von weitem und rückt die Hocker am Lieblingstisch zurecht. Es ließe sich beliebig fortsetzen.
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Vorgestern war ich im Stadion, ein Fußballspiel angucken. Ich verließ die Veranstaltung etwas früher, um der großen Menschenmenge zu entgehen.  Am Ausgang standen zwei Sicherheitsleute, ein Mann, eine Frau, und unterhielten sich. In Deutschland hätten sie in ähnlicher Situation wohl nicht weiter auf mich geachtet und ich auch nicht auf sie. Ich war in Gedanken bei meinem Einkaufszettel, wollte auf dem Heimweg noch Brot kaufen und steuerte im gewohnt eiligen Schritt auf die Schleuse am Ausgang zu. Und dann wurde ich runtergebremst - die beiden unterbrachen ihr Gespräch, die Frau sagte: Wir hoffen, die Veranstaltung hat Ihnen gefallen, hoffentlich kommen Sie wieder; der Mann fügte hinzu: Schön, dass Sie da waren, kommen Sie gut nach Hause. Da hält man dann eine Minute inne und erwidert einen Dank für den guten Service.
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Es kostet so wenig - eher im Gegenteil, man bekommt etwas: man geht mit einem Lächeln weiter.

Montag, 24. Juli 2017

Seefahrt mit dem Kanu


Im Rahmen einer Einweihungsparty beim Auslegerkanu-Club auf Sentosa Island habe ich einiges über "Outrigger Canoes" erfahren. Die Einführungsveranstaltung für die Rookies fing mit einem kleinen Exkurs in die polynesische Gedankenwelt an.



Unter keinen Umständen klettert man über das Kanu. Über den Ausleger, ja, aber nicht über das Kanu. Man darf auch nicht fluchen, solange man im Boot ist. Beides ist sehr respektlos. Erstens einmal hat man für die Herstellung des Kanus einen Baum fällen müssen: dieser Baum und sein Opfer verdienen alleine schon Respekt. Zweitens bringt das Kanu Menschen sicher aufs Meer hinaus und genauso sicher wieder zurück. Dafür muss man ihm dankbar sein.



Nach dieser Einführung, einer Schnellbleiche in Sachen Technik und einem Schwimmtest (wer sich nicht 5 Minuten wassertretend an der Oberfläche halten kann, darf nicht mit aufs Boot) ließen sie uns ins Kanu und los ging's hinaus aufs weiter Meer. Will heißen, dreißig Meter aus der Bucht hinaus und dann in den Windschatten des nächsten kleinen Inselchens, um den Huli zu üben. "Huli" klingt lustig, ist aber eine Lebensrettungsübung - denn trotz Ausleger kippen die Boote leicht über, besonders wenn die Wellen von der Seite kommen. Also macht man das einmal absichtlich, damit jeder weiß, wie er sich zu verhalten hat.



Auf Kommando lehnten sich alle schwungvoll nach rechts, zack, hob sich links der Ausleger und die Welt wurde badewannenwarm nass und salzig. Man sammelt sich neben dem Boot, zählt durch 1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6 und dann läuft unter dem Kommando des Steuermanns ein vorher erläutertes Verfahren, um das Boot wieder aufzurichten. Das schwierigste dabei fand ich, wieder ins Boot hereinzukommen. Die Bordwand ist steil, glitschig, es gibt keinen Griff zum Festhalten, und bei sowas bin ich sowieso ungeschickter und uneleganter als jedes Walroß beim Landgang. Irgendwie hat es dann doch funktioniert (heute Hämatome am Oberarm und in der Kniekehle). Klitschnaß ging es zurück ans sichere Ufer. Ich glaub, das wird nicht meine Lieblingssportart, aber es war eine interessante Abwechslung.

Montag, 17. Juli 2017

Verhindertensport

Eigentlich wollte ich ja letzte Woche Sonntag Inline-Skates ausleihen. Hier gibt's den East Coast National Park mit eigens ausgewiesener Fahrrad- und Inlinerstraße. Im Internet hatte ich den Hinweis auf einen Fahrrad- und Inlinerverleihkiosk in diesem Park gefunden und mich frohgemut auf den Weg dorthin gemacht. Im Park selbst gab es eine Reihe Hinweisschilder, die mich zuverlässig zum Fahrradverleih brachten. Aber weit und breit keine Inliner in Sicht. Der freundliche Mensch vom Radladen machte mir dann die betrübliche Mitteilung, dass der Inlinerverleih schon seit längerem nicht mehr existent sei. Schade. Statt Inlinern also Strandspaziergang. Man darf offenbar nicht alles glauben, was in diesem Internet steht. 😞



Knapp eine Woche später, vorgestern, um genau zu sein, wollte ich mir ein Fahrrad ausleihen. Also wieder das Internet befragt, zwei Verleihe in fußläufiger Nähe vom Hotel gefunden, sich für den entschieden, der günstigere Stundensätze und längere Öffnungszeiten anbot. Ab 9 Uhr könnte man ein Rad ausleihen. Ich war um kurz vor zehn da, und der Laden hatte: zu. Ein Zettel informierte darüber, dass ab 11 Uhr geöffnet sei. Spontan beschloß ich, mein Tagesprogramm mit Bus und Fußmarsch zu erledigen. Man darf offenbar nicht alles glauben, was in diesem Internet steht. 😞

Gestern schließlich ging ich zu dem zweiten Fahrradverleih, und siehe da, es war geöffnet. Freundliche Menschen erläuterten die Verleihbedingungen, notierten Daten aus dem Personalausweis, kraulten zwischendrin die Werkstattkatze und waren ziemlich begeistert, dass ich mich auch gleich für das Katzentier interessierte. Wir schwätzten eine Weile über Haustiger und ihre Eigenheiten. Die dreifarbige Werkstattkatzendame heißt Stumpy, weil sie immer mit den Pfötchen trampelt, wenn ihr was nicht passt. Nach diesem Exkurs gaben sie mir ein Fahrrad, notierten die Uhrzeit und meinten, das mit dem Bezahlen machen wir bei Rückgabe, dann gucken wir einfach, was der günstigste Tarif ist, ob nach Stunden oder per Tagessatz. Nachdem der Sattel eingestellt war ("höher! noch höher!" kann man hier unbesehen erbitten, das hab ich letztes Jahr schon gelernt, in Singapur fahren sie alle mit den Knien unterm Kinn Fahrrad), trug mir ein netter Mensch das Rad die paar Stufen zur Straße hoch und ich kam dann tatsächlich dazu, mich wie geplant sportlich zu betätigen. 



Bei der Rückgabe des Fahrrads wurde die Leihgebühr berechnet, und es stellte sich heraus, dass sie niedriger war, als ich nach den auf der Website genannten Stundensätzen erwartet hatte. Man darf offenbar nicht alles glauben, was in diesem Internet steht. 😄



Freitag, 30. Juni 2017

Dreißig Tiger

Vorhin im Supermarkt ist mir ein echtes Schnäppchen gelungen. Eigentlich wollte ich ja bloß Brot kaufen, aber dann fiel mir noch ein anderes Getreideprodukt ins Auge: Tiger-Bier. Nur dieses Wochenende im Sonderangebot - 30 Dosen für 58,50 Singapur-Dollar. Weniger als zwei Singdollar pro Dose, das ist echt günstig. Normal zahlt man zwischen 3 und 3,50 S$ (das sind etwa 2,20 - 2,50 EUR). Alkohol ist hierzulande hoch besteuert.


Offenbar werden die 30er-Packs nach den gleichen Normen produziert wie die Kühlschränke, denn der Karton passte nach Länge, Breite und Höhe haargenau ins Kühlschrankfach.



Zum Glück befindet sich der Supermarkt direkt neben meinem Hotel. Es war so schon unbequem genug, diesen schweren, unhandlichen Karton ins Apartment zu bugsieren. Die entstandenen Rückenschmerzen bekämpft man am besten mit der Einnahme einer reichlichen Dosis Bier. Prost!

Mittwoch, 28. Juni 2017

Tempelgeographie

Am Feiertag habe ich mit Kollegen eine Runde durch die Stadt gedreht. Wir wollten nach Toa Payoh. Die zwei anwesenden Geographen waren an diesem Stadtteil interessiert, weil er vom Reißbrett geplant wurde, mit Einkaufszeile und Food Court, was halt in Singapur so dazugehört, und die thailändische Kollegin (keine Geographin) wollte gern den buddhistischen Tempel dort besuchen.

Erst mal haben wir im örtlichen Food Court gefrühstückt. Wie immer sehr gut besucht von lokalem Publikum, mit großer Auswahl an leckerem Essen. Vorausgesetzt, man ist bereit, sich auf asiatische Frühstückssitten einzulassen. Marmeladenbrötchen gibt's hier tatsächlich nicht. Gekochte Entenfüße hingegen wären kein Problem. Wir teilten uns eine Auswahl frisch zubereiteter Dim Sums mit Krabben, Fisch und Schweinefleisch.

Danach machten wir uns auf die Suche nach dem Tempel. Wie überall auf der Welt gibt's auch in Singapur die Bankrentner, die grüppchenweise ihre Tage auf Parkbänken verbringen und alles beobachten, was so im Umfeld passiert. Die Kollegin fragte den nächstbesten Bankrentner nach dem "Thai Temple". Große Debatte auf Chinesisch unter den Herren.

Schließlich teilte uns der Oberbankrentner mit, also, es gebe da einen Tempel, gefolgt von einer gestenreichen Wegbeschreibung, aber das sei kein Thai Temple, sondern ein Myanmar Temple. Da die Anzahl seiner Englischvokabeln die Anzahl seiner verbliebenen Zähne nicht wesentlich überschritt (er hatte noch vier), muss leider im Dunkeln bleiben, was genau der Unterschied zwischen einem Thai Temple und einem Myanmar Temple ist. Gefunden haben wir ihn trotzdem.



 

Donnerstag, 9. Juni 2016

Warum die Maler 23 h und 56 min vor dem vereinbarten Termin bei uns erschienen

"... ei, mir ware am Mondach hier und ham den Butz fäddisch gemacht un gestriche in dämm helle Don und gestern un vorgestern ware mer in dere Schull in Groß-Gerau, die kriesche neue Möbel un da mussde mer fäddisch werde mit Wänd schtreiche, damidd die de Möbel da rein räume könne, un weil auch des Gerüsdd, des hier gestanne hadd, gebraacht werd, hat de Chef gesacht, mer solle heut widder herfahre und hier fäddisch schtreiche. Isch waaß, mir hadde den Freidach abgeschproche un es duud uns leid, wenn mer Se ausm Bedd geklingelt habe, aber dann were mir morsche fäddisch un Se sin uns los. Saache Se mal, Frau D., wie mache mer des denn mit dere grüne Wand? Hier is die Fabb, in dämm Don "Oase 85", so aan grüne Fabb. Solle mer die bis zu dere Kande schtreiche oder wolle Se die aach in däm Dürschturz habbe? Also ich däd Ihnne vorschlache, dass mer die bis hierhin anlesche, sonst sieht des nach nix aas. Un hier habbe Se dann en saubere Abschluss un dere klaane Raum dahinner schtreiche mer dann widder in dem helle Ton."

*Atemgeräusch*

Montag, 9. Mai 2016

Der Holzmensch liefert Ware an, und wir wollen wissen, wann!

Vor zwei Wochen beehrten Herr Dinktoc und ich eine Holzlieferfirma und orderten Deckenpaneele und Parkett sowie das jeweilige Zubehör. Wir bekamen die Auftragsbestätigung und eine Rechnung für eine Anzahlung zugesandt sowie die Information über den Liefertermin: 10. Mai.

Vergangene Woche fragte Herr Dinktoc telefonisch beim Verkäufer nach, ob man uns denn eine ungefähre Uhrzeit der Lieferung nennen könne? Das würde der Disponent tun, einen Tag vorher. Aha.

"Ein Tag vorher" ist heute. Das Telefon klingelte: nicht.

Um 16.20 Uhr beschloss ich, der Sache auf den Grund zu gehen. Ich hatte zwar meinem Chef schon die Wahrscheinlichkeit meines späteren Erscheinens bzw. früheren Gehens für den morgigen Tag erläutert, aber ein bisschen genauer wollten er und ich es dann doch noch wissen.

Also: Verkäufer anrufen, denn eine Disponententelefonnummer hatte ich nicht.

*ring ring* *ring ring*
*ring ring* *ring ring*
*ring ring* *ring ring*
*ring ring* *ring ring*

Weibliche Stimme: "Holzfirma Brettkopf, Frau Wenigahnung, was kann ich für Sie tun?"

Frau D.: "Guten Tag, mein Name ist Dinktoc, ich habe bei Ihnen Material bestellt, das morgen geliefert werden soll, und ich möchte gerne eine ungefähre Uhrzeit wissen, damit ich das mit meiner Arbeit organisieren kann. Die Auftragsnummer ist 123-sowieso."

Frau Wenigahnung: *tastaturklapper* *schweig* *tastaturklapper* *schweig*

Frau D.: "Hallooo?"

Frau Wenigahnung: "Einen Moment noch!" *tastaturklapper klapper* "Also. Ja, Ihre Ware wird morgen geliefert. Aber ich weiß nicht, wann genau. Das weiß die Disposition. Ich gebe Ihnen die Telefonnummer, zuständig ist Herr Mustermann."

Frau D.: *notiert Telefonnummer* (und stellt anhand der Vorwahl fest, dass das Lager offenbar außerhalb der großen Stadt ist) "Danke, tschüß." *wählt Telefonnummer von Herrn Mustermann außerhalb der großen Stadt*

*ring ring* *ring ring*
*ring ring* *ring ring*
*ring ring* *ring ring*
*ring ring* *ring ring*
*ring ring* *ring ring*
*ring ring* *ring ring*

Männliche Stimme, sehr laut: " Holzfirma Brettkopf, hier schrwffm-rausch-hrsssch."

Frau D.: "Guten Tag, hier Dinktoc, spreche ich mit Herrn Mustermann?"

Mann: "NEIN, HIER IST BRÜLLSPRECH! DER MUSTERMANN IST GRAD NICHT DA!"

Frau D.: "Ok, da war so ein Rauschen in der Leitung, ich hatte den Namen nicht verstanden. Vielleicht können Sie mir helfen? Ich habe Material bla bla blablaabla. Morgen. Wann?"

Herr Brüllsprech: "NÄ, DAS WEISS ICH NICHT! ABER DER HERR SCHILLING IST SEIT HEUTE WIEDER FÜR DIE DISPOSITION ZUSTÄNDIG, DER WEISS DAS! SEINE DURCHWAHL IST 0815! SCHILLING! WIE ZWILLING, NUR MIT S!C!H!"

Frau D.: "Danke. Können Sie mich nicht durchste-" *klack, Herr Brüllsprech hat aufgelegt* *wählt Telefonnummer von Herrn Schilling wie Zwilling mit S!C!H!, die sich nur in den letzten zwei Ziffern von der des Herrn Brüllsprech unterscheidet*

*ring r-*

Männliche Stimme: "Holzfirma Brettkopf, Schilling, guten Tag."

Frau D., leicht erschöpft: "Guten Tag, Dinktoc. Ich habe Material bestellt, bla blablubb. Wann? Morgens, mittags, abends?"

Herr Schilling: "Wie heißt denn nochmal Ihr Wohnort? Ach so, steht ja hier." *murmel murmel lautdenk 'um halb acht fahren die hier weg, dann um neun da, und dann, und hier, ach so, *raschel* hmhm' Also, das wird wohl so am späten Vormittag ankommen."

Frau D.: "Aha. Das wäre also so zwischen 10 und 12?"

Herr Schilling: "Der Fahrer ruft Sie sowieso etwa eine halbe Stunde vor Ankunft an!"

Frau D.: "Eben. Ich arbeite in F., von da brauche ich ca. eine halbe Stunde nach Hause, wenn's gut läuft, das könnte also knapp werden. Genau deshalb will ich ja wissen, wann ungefähr die Lieferung kommt, damit ich meine Arbeit entsprechend organisieren kann."

Herr Schilling: "..." *offenbar sprachlos angesichts einer arbeitenden, organisationsfähigen Frau* "Äh, äh ahem. Also eher zwischen 11 und 13 Uhr." *klack*

Mittwoch, 6. April 2016

Meilenstein

Der Estrich ist drin! Seit heute morgen hat der Anbau einen wunderbar glatten Fußboden, und damit ist ein weiterer Meilenstein geschafft: der Rohbau ist nun fertig. Jetzt bleiben "nur" noch der Innenausbau und die Fassadendämmung inkl. Verputz. Damit werden wir die nächsten Monate noch Spaß haben, aber ich bin froh, dass wir jetzt ein Kapitel abgeschlossen haben.


Die Handwerker waren für 9 Uhr angekündigt, aber schon um kurz nach 8 Uhr fuhr ein Klein-LKW mit Anhänger vor. Der Fahrer zirkelte das Gespann rückwärts in den engen Hof und streifte dabei mit dem Außenspiegel den Briefkasten. Etwas Lackabrieb blieb hängen. Der Fahrer rieb den Lack verstohlen und sehr gründlich vom Briefkasten. So sauber war das Ding lange nicht mehr!


Die Herren Handwerker verlangten nach Strom und Wasser. Letzteres goß einer der Beteiligten eimerweise in die Misch- und Pumpmaschine - die sah aus wie ein rechteckiger Betonmischer mit einem angeschlossenen C3-Rohr - während der zweite den gestern angelieferten Sand in das Gerät schippte. Der dritte führte das Auslassrohr, und ruckzuck war der Estrich im Raum.




Dann wurde noch alles glatt gestrichen, aufgeräumt, abgeputzt und um halb zehn waren die Handwerker wieder vom Hof. Turbo-Estrich, sozusagen. Zum Trocknen benötigt er aber immer noch so lange wie früher. 5 Tage soll niemand den Raum betreten, und etwa vier Wochen lang soll der Boden nicht punktuell belastet werden. Will heißen, z.B. keine Leiter aufstellen und benutzen. Somit ist erst einmal wieder Baustellenpause.



Nächste Schritte: Deckenverkleidung. Strukturputz und Farbe an die Wände. Steckdosen und Schalter anbringen. Parkett auf den Boden. Eine kleine Treppe einbauen. Bücherregale kaufen, aufstellen und einräumen. Sonstige Möbel in den Raum schaffen. Auf dem geerbten Sofa zusammenbrechen. 

Sonntag, 20. März 2016

Echsenaug und Krötenbein ...

... sehr lang soll diese Schlange sein! Die Rede ist vom Einbau der Fußbodenheizung, oder was hatten Sie gedacht?

Die Installateure hatten sich für 8.15 Uhr angekündigt. Gegen 8.50 rief ich dann mal bei der Firma an, um zu erfahren, dass die Herren am aus dem Verkehrsfunk sattsam bekannten Mönchhofdreieck im Stau standen. Vermutete Ankunftszeit: 9.20 Uhr. Bevor ich mich darüber hätte aufregen können, bemerkte ich einen Riesen-LKW, der vor der Zufahrt zu unserer engen Gasse mehrfach hin und her fuhr. Offenbar hoffte er, durch Rangieren sein Fahrzeug auf mirakulöse Weise so zu verkürzen, dass er in die Gasse hätte einbiegen können.

Ich rätselte noch, wer in der Nachbarschaft eine solche umfangreiche Lieferung bestellt haben könnte, da klingelte es an der Tür und ich wurde darüber informiert, dass die Lieferung für unseren Anbau bestimmt war. Dämmmaterial, vom Installateur geordert und direkt an die Baustelle zu schicken.

Der Fahrer grummelte, weil er nicht bis vor die Tür fahren konnte, ließ schließlich sein Schlachtschiff von LKW auf der größeren Straße stehen und karrte die Palette mit dem Dämmzeug auf einem Hubwagen die Gasse entlang. Der übermannshohe Stapel schwankte bedrohlich, und so gab ich die Abstützhelferin, was zu einem netten Gespräch führte.

Der mittlerweile zutrauliche Fahrer, deutlich nichtdeutscher Herkunft, vertraute mir an, ihm sei aufgefallen, wenn auf Lieferscheinen der Straßenname auf "-gasse" ende, dann sei das da oft eng und schwierig anzufahren. Ob es da einen Zusammenhang gebe? Ja, hab ich ihm erläutert. Dass eine Gasse so etwas wie eine kleine Straße sei und er eine solche Adresse fast immer als Vorwarnung nehmen könne. Der Fahrer strahlte ob seiner neuen Erkenntnis und fuhr bester Laune von dannen.

Ein paar Minuten später waren die langersehnten Installateure endlich da und griffen als erstes nach dem Besen und fegten, besonders gründlich in den Ecken, um eine möglichst glatte Fläche für die Bodendämmung und die darauf liegenden Matten für die Fußbodenheizung zu haben.




Ich verabschiedete mich Richtung Büro (Gott sei Dank haben wir recht freie Arbeitszeiten, ein Resultat der weltweiten Tätigkeit des Ladens) und kam erst abends wieder heim, um einen deutlich erhöhten (gute 20 cm) Fußboden mit der längsten Schlange der Welt darauf vorzufinden.

Der immer noch feuchte Putz darf nun noch zwei Wochen vor sich hintrocknen; Anfang April kommt dann der Estrichleger. Wenn der durch ist, können wir das Kapitel Rohbau als abgeschlossen betrachten.